Steff Adams


Dr. Peter V. Brinkemper

Steff Adams Skulpturen sind keine Abbilder,
sondern Gefühlswelten für sich.

Jedes dieser kleinen, mittleren oder großen Wesen, mit denen Steff Adams verschiedene Kunstorte bevölkert, ist – nach menschlichen Maßstäben ein vegetativer Homunculus, ein leuchtender Baumläufer, glühender Pflanzens itzer oder ein strotzender Gemüseathlet, ein vor sich hin flimmernder Polyandros, ein in sich zirkelnder Mehrfachtiermensch, ein vielförmiger, vielfältiger und vielknittriger Tapeten-Polyp, mit einer merkwürdig unbeholfenen leibhaften Verdickung in der Mitte, – knollenartig oder birnenfömig, mit schmalen Schultern, Kugelbauch, Brüstchen und verbreitertem Gesäß, – von wo Arme und Beine ausgehen, nicht selten wie gestreckte oder um den Leib gewickelte Nudel-Tentakel, um in kompakten Standfüßen oder vierzitzigen Händen auszulaufen. Meist sitzt auf den Schultern ein winziger Kopffortsatz, ein letzter, gesteckter, gestreckter und gespannter Splint, der das imaginäre Innere der Skulptur, ihre protomenschliche Seele, eher verschließt und versiegelt als sie durch einen individuell definierten Ausdruck, den man ein Gesicht nennen könnte, widerzuspiegeln. Es gibt antlitzlose, dabei sehr wohl einfühlsam ertastete Kopf-Ausbuchtungen mit verklebten Vorsprüngen, die etwas Äugiges, Ohriges, Nasiges und Mundiges haben, dabei doch ebenso stark wie die restliche Anatomie in der naturhaften Latenz das Materials verbleiben, und auf den weichen, pflanzlichen oder zackig sternförmigen Rhythmus der absoluten Körpergesamtgeste abgestimmt sind.

Seinen Ursprung nimmt jeder „Pappkamerad“ von Steff Adams in der Silhouette einer abstrakten Zeichnung mit einem ausdrucksstarken Liniengewirr. Die dreidimensionalen Pappkameraden sind die plastischen Entsprechungen der zeichnerischen und fotografischen Flach-Wesen, sie übernehmen deren entgrenzte Liniengestalt in eine transorganismische Skulptur, die den Entwurf des Bildes in eine von allen Seiten nicht nur mit den Auge betastbare Welt umsetzt.

Das graphische Element kehrt auf der Oberfläche der Wesen wieder: in kunstvoller Verarbeitung werden die seriellen Muster und Ornamente von Tapeten zu einer unregelmäßigen Maserung zusammencollagiert, deren ästhetische Wirkung sehr weit weg vom Ausgangsmaterial führt und die den jeweiligen Wesen einen wie auf den Leib geschnittenen Hautüberzug verpaßt. Wenn man so will, haben die Wesen ein einziges, wirklich völlig ausdifferenziertes Organ: eine Tapetenhaut, die Zusammenhalt und Zergliederung zugleich schafft und unterstützt. Eine Art natürlicher Ganzkörperanzug mit völlig individuellen und durchgehenden Tatoos, Signalen und Signaturen, pausenlosen Erregungszuständen und ununterbrochenen Seelenzeichnungen, welche die aus der Pappe sorgsam heraus geschmiedenen und gebogenen Gesten-Unterlagen abtönen, sie je nachdem verschärfen und steigern oder auch abmildern bzw. dämpfen. Einerseits erscheinen die Wesen dadurch im Sinne einer realistischen Abbildung als augenlos und gesichtslos, andererseits wird so die rhythmische Eigengesetzlichkeit des jeweiligen Ausdrucks als ein Pulsieren zwischen Grafik und Plastik, zwischen detaillierter Musterung und Gesamterscheinung abgerundet. Jedes der Wesen ist ein einziges flimmerndes Organ einer bestimmten, in sich weit verzweigten Gefühlswelt, die Landschaft einer in sich nuancierten Emotion.

Es sind die Wünsche und Emotionen, und nicht die Bilder und Abbilder, durch die Steff Adams ihren Skulpturen unaufdringlich und feinsinnig eine Form und ein Zuhause gibt.

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